Tobias Hoffmann, KÜSNACHTER, 20. 3. 2025
Waldis’ Geschichte ist mit zahlreichen detailgenauen und anschaulichen Beobachtungen gesättigt, zwischen die die Autorin eigenwillige Metaphern und prägnant gefasste innere Monologe streut. Das klingt dann zum Beispiel so: GutenAbend, ich wollte Sie fragen, ob bei Ihnen vielleicht Frau Elena Cartena wohnt. Hei, hat die einen kleinen Mund, die Frau im Büro. Da kann ja gar nichts rauskommen. Doch, ein Ja kommt raus und ein Warum. Effi hält sich am Tischrand fest. Das Haus schwankt. Ich bin, ich möchte sie besuchen, sagt Effi, wenn das geht. Galina, ruft der kleine Mund, wo ist die Cartena? So gelingt es der Autorin, einen durchaus spannenden Plot aufzubauen, ein komplexes Figurengeflecht zu knüpfen und berührende Einblicke in das ganz unterschiedliche Innenleben der Hauptfiguren zu geben. Dabei durchdringt sie alles mit einem zurückhaltend humorvollen und teilnahmsvollen Ton, der die traurigen und abgründigen Aspekte der Geschichte in ein beinahe warmes Licht taucht.
Luzerner Zeitung, 30. 5. 2025, Arno Renggli
Angelika Waldis überzeugt mit einem spritzigen und emotional starken Roman:
Ihre neue Geschichte erzählt von vier Menschen, die direkt oder auf verschlungenen Pfaden miteinander zu tun haben. Sehr direkt bei Mona und Rick. Beide in ihren Fünfzigern führen sie eine routinierte Ehe, in der man sich auf stille, gepflegte Art voneinander entfremdet und auf die Nerven geht. Als Rick in einem entfernten ländlichen Ort ein baufälliges Haus erbt, ist es Mona, die Gefallen daran findet. Und immer öfter für ein paar Tage hinreist. Vordergründig, um Renovationen voranzutreiben. Viel mehr aber, um der Ehe zu entfliehen – in eine Oase der Freiheit. Dort macht sie Bekanntschaft mit neuen Menschen, etwa dem gerne fluchenden Handwerker Felice. Als dieser im alten Haus unerwartet verstirbt, erachtet es Mona als ihre Pflicht, nach Italien zu reisen, um Felices Familie zu finden und zu informieren.
Rick wiederum nimmt die immer öftere Abwesenheit seiner Gattin zunächst mit wenig Anteilnahme zur Kenntnis. Zumal er beruflich sehr eingespannt ist. Doch allmählich ahnt er, dass ihm die Felle seiner Ehe davonschwimmen. Oder dass das Berufliche als zentraler Lebenssinn doch nicht so wirklich taugt. Und beim Lesen merkt man, dass dieser Rick doch gar nicht nur der Langweiler ist, als den man ihn zunächst vor allem im Vergleich mit der quirligen Mona empfindet.
Die dritte Person ist die 14-jährige Effi. Ihre Pflegeeltern haben sie in ein deutsches Internat gesteckt. Da will sie raus. Und flüchtet schliesslich nach Italien, auf den Spuren ihrer Familie. Italien? Da ist doch auch Mona hin. Und natürlich treffen die beiden aufeinander. Aber nicht direkt. Da spielt eine geheimnisvolle vierte Person mit; die betagte Elena, die mit Demenz in einem Altersheim lebt. Und sich in Bruchstücken an ihre Kindheit in Uri und ihr späteres Leben in Italien erinnert.
Wie immer überzeugt Angelika Waldis mit dem Vermögen, sich in ihre Figuren einzufühlen, egal welches Alter diese haben. Die Sprache ist präzise, mit vielen originellen und auch witzigen Formulierungen durchsetzt. Ob die Marotte der jungen Effi, ständig lautmalerische Wortspiele zu denken, etwas nervt, ist wohl Geschmacksache. Aber darüber hinaus sind Sprache und Emotion dieses Romans mitreissender denn je.
Annette Böder, Neutor-Buchhandlung, Breisach
Hier. Dort. Fort. Drei kurze Worte, die eine Fülle von Möglichkeiten für den Inhalt des neuen Romans der Schweizer Autorin Angelika Waldis bieten.
Und wieder ist es Waldis gelungen, mit Fantasie und Wortwitz einen zugleich heiteren als auch lebensklugen Text zu schreiben, bei dessen Lektüre sich ab der ersten Seite Lesefreude einstellt. Mit ihrem ganz besondere Schalk, sowie Motiven, die auch in früheren Romanen vorkommen (Italienreise, Psychiatrie, unvollständige Familiengeschichten, Aufbrüche) hat die Autorin wieder einen wunderbar leichten und doch unkonventionellen Roman geschrieben.
Mirta Hug, Buchhandlung Lüthy, Chur
Vier Lebenswege, die sich kreuzen. Effi sucht noch ihren Platz im Leben und hat den notorischen Drang zum Reimen. Mona findet einen Weg, aus ihrer ausgeleierten Ehe auszubrechen. Elena wird gefunden, und dann ist da plötzlich noch Tom. Das große Glück für Effi?
Eine Perle von einem Buch. Bildhaft, klug, amüsant und so weise!
Simone Neunstöcklin, Buchhandlung von Matt, Stans
Von vier ganz unterschiedlichen Menschen, deren Lebensepisoden ineinanderfließen. Mit feinem Humor und kleinen Hoffnungsschimmern gespickte Geschichte, die mich verzaubert hat.
- Angelika Waldis
- Publikationen
- »Hier. Dort. Fort«
- »Berghau«
- »Lauter nette Menschen«
- »Ich komme mit«
- »Tausend Zeichen«
- »Marktplatz der Heimlichkeiten«
- »Aufräumen«
- »Züri Gschnätzlets«
- »Einer zu viel«
- »Die geheimen Leben der Schneiderin«
- »Verschwinden«
- »Tu nicht so«
- »Benjamin, mach keine Dummheiten, während ich tot bin«
- »Jele und Rocco – Rocco und Jele«
- Für Kinder
- In der Schublade
- »Tage, Tage«
- Mein Leben. Mein Schreiben.
- Kontakt
- SiteMap