Man könnte gegen das Buch einwenden, dass die Entwicklung der Freundschaft von Vita und Lazy vorhersehbar ist. Doch vor allem berührt sie. Wohl auch, weil sie fernab von Kriterien wie äußerliche Kraft und Schönheit geschieht. Angelika Waldis wechselt die Erzählperspektiven von Vita und Lazy ab, erstere wirkt sehr authentisch, letztere eine Spur literarischer, womit die Autorin klugerweise die eigene Nähe zur jungen Figur nicht überstrapaziert.
Wunderbar ist auch der Humor, der die beiden verbindet. Sowie der Reichtum an Gedanken und schönen Formulierungen im Buch, die in einer Dichte kommen, dass kaum ein Satz sich nicht zu lesen lohnt. So etwa die «Leben ist... »-Definitionen, mit denen Lazy und Vita wetteifern. «Leben ist, wenn man Sterben das Letzte findet», sinniert Vita zum Beispiel. Die Liebe zum Spiel mit Worten und sinnreichen Gedanken teilt sie mit Lazy. Und natürlich auch mit der Autorin.

Angelika Waldis, Ihre Protagonistin und Sie sind ja in etwa in der gleichen Altersgruppe. Hat der Roman also autobiografische Bezüge?

Nein, zwar sind wir beide alt, aber ich lebe immer noch gern, hab’s gut mit Ehemann, gut mit Kindern und Enkelkindern sowie ziemlich gut mit mir selber.

Wie gingen Sie es an, auch aus der Sicht eines jungen Mannes zu schreiben?

Ich kann mich allgemein gut in andere Menschen versetzen. Zumindest meine ich das. Ich glaube, ein bisschen zu spüren, was in meinen Enkeln vorgeht. Die sind 18, 15 und 13. Zudem war ich auch mal in diesem Alter, wenn auch nicht als Mann und nicht in diesem Jahrhundert. Aber Grundgefühle wie Liebe, Scham, Schuld oder Angst waren und sind wohl allen Jugendlichen gemeinsam. Etwas schwierig war es, den richtigen Tonfall zu treffen. Ich habe bewusst eine anbiedernde Jugendsprache vermieden.

Die ungleichen Protagonisten haben ja gemeinsam, dass sie nicht mehr lange leben bzw. genug von ihrem Leben haben. Was noch?

Ziemlich viel: zum Beispiel Erfahrung im Alleinsein, gegenseitiges Misstrauen am Anfang, dann Neugier an der Frage, was Leben ausmacht, Neugier aneinander, später Zuneigung und immer wieder Galgenhumor. (are)

 
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