3. Juli 2019

Heute sollte ich für drei Personen die Daumen halten. Ein Nachbar wird am Rücken operiert. Ein Enkel schreibt die Deutsch-Matura-Arbeit. Ein Passagier im Bus (belauschtes Handy-Gespräch) will am Abend einen Heiratsantrag machen und hat Angst, dass er nicht erhört wird. Für wen drück ich jetzt am meisten, am längsten, am heftigsten? Den Handy-Mann schieb ich mal beiseite, der kann sich selber die Daumen halten, und ich kenn ihn ja gar nicht. Bleibt der Nachbar, bleibt der Enkel. Für wen wird es schlimmer sein, wenn’s schief geht? Was für eine unangenehme Frage. Uff, Allmächtiger, wir entscheiden Sie jeweils, welche Gebete Sie erhören wollen?

Aus »Tage, Tage«

 

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