18. September 2016

Die Tollkirschen sind reif. Schwarz, glänzend. Direkt am Waldwegrand. Man braucht nur die Hand auszustrecken, um sie zu pflücken. Ich frage mich, warum der Förster sie da stehen lässt. Sonst lässt er doch vernichten, was ihm nicht ins Konzept passt, zum Beispiel böse Neophyten wie das Drüsige Springkraut und den Japanischen Knöterich. Zehn bis zwölf Tollkirschen braucht’s, um einen Erwachsenen umzulegen, für Kinder reicht die Hälfte. Wär gut möglich, dass mal ein paar Kinder auf die schöne Atropa Belladonna aufmerksam werden … Leicht süßlich sollen sie schmecken, die tödlichen Beeren. Ob der der Förster, der freundliche Mann, gar was Mörderisches im Sinn hat? Nein, der Förster wohl nicht. Der Mörder ist immer der Gärtner.

Aus »Tage, Tage«

 
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