17. Oktober 2015

Von meinem Tisch aus sehe ich durchs Fenster, wie der Herbst daherkommt. Ich würde seinen Auftritt gerne beschreiben, seine sanft schwingenden Gewänder in Gold und Rosa, aber es gelingt mir nicht, weil mir Formulierungen durch den Kopf wirbeln, die nicht meine sind. Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah. Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Mit gelben Birnen hänget und voll mit wilden Rosen. Verflossen ist das Gold der Tage. Hebbel. Rilke. Hölderlin. Trakl. Ja, was soll ich da noch. Der Herbst ist prominent belegt. Früher gab es das Schulaufsatz-Thema: Der Maler Herbst steht vor der Tür. Das geht auch nicht mehr. Denn den Maler Herbst hat es tatsächlich gegeben, Vorname Adolf, 1909-1983. Und einem Gespenst will man ja nicht die Tür aufmachen.

Aus »Tage, Tage«

 
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