Kritik

In den Erzählungen von Angelika Waldis geht es meist um Einzelgänger, erfüllt von Traurigkeit. In ihrem neuen Buch ist eine ganze Reisegruppe voll verborgener Abgründe und Ängste unterwegs in Irland. Der Undurchsichtigste von ihnen verschwindet plötzlich, verunsichert die Verbleibenden durch seine Abwesenheit nachhaltig. Eine zweite Geschichte erzählt von einer Großmutter, die ihren Enkel retten will und ihn deshalb entführt. Die Tiefen und Höhen der Protagonisten werden mit einer lässigen Beiläufigkeit beschrieben, womit sie sich dem Leser nur umso deutlicher einbrennen – Waldis lesen ist ein physisches Erleben!

Es gibt ja Menschen, die einem immer sagen, was gestern war, interessiere sie nicht, vorbei sei nämlich vorbei, und sie lebten heute und für morgen. Für die ist dieses Buch der Zürcherin Angelika Waldis – »Verschwinden« – vermutlich nichts. Denn in den zwei Geschichten, die sich darin aus dem Nebeneinander und Gegeneinander von Wahrnehmungen und Erinnerungen melodiös entwickeln, ist, was war, mächtiger als was ist, und das Gestern mischt sich derart in die Vorstellung vom Morgen, dass das Heute schnell einmal verpasst wird.

Zuerst einmal ist die Reisegruppe in »Als Zett verschwand« erleichtert, dass Zett, dieses Ekel, von der Bildfläche verschwunden ist. Ist er tot? Schade wärs nicht. Die Polizei ist ratlos, die Tour wird abgebrochen.

Vier Personen reisen zusammen auf eigene Faust weiter,  zwei Männer, zwei Frauen,  das ergäbe zwei Liebesgeschichten. Doch Zett, inzwischen das verkörperte Böse, spukt dazwischen, mit rätselhaften Zeichen und Mitteilungen.

Sie schrieben zwei Geschichten übers Verschwinden. Möchten Sie auch manchmal einfach verschwinden?

Angelika Waldis: Schon, aber nur, wenn ich weiß, dass ich nachher wieder zurückkommen kann! Ich bin gerne in meinem Leben.

 

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