Angelika Waldis: »Einer zu viel«

Literarische Auszeichnung des Kantons Zürich 2010

In der Schweiz vergriffen. Weiterhin erhältlich via Amazon. Auch via Buchantiquariate wie www.booklooker.de  und ww.abebooks.de oder bei der Autorin.

Es war nicht einfach, die zehn Stück Lavendel zu pflanzen, die Ina im Supermercato gekauft hatte. Für zwei fand Matti Platz direkt an der Hausmauer, aber wohin mit den andern? Überall war der Boden durchwachsen und voller Steine und Ziegelscherben. Matti schärfte den Spaten so gut es ging mit dem Wetzstein und fing auf Inas Wunsch beim Steintisch an umzustechen. Judith machte sich neben ihm mit ihrem roten Schäufelchen zu schaffen. Matti musste sie jedes Mal wegscheuchen, bevor er mit Wucht den Spaten in den Boden stieß. Er wurde immer ungehaltener, Judith fing an zu weinen, Ina rannte herbei und nahm sie auf den Arm.

Ein Sommer im Süden: Im Hause Casta kommen drei Generationen einer Familie zusammen, und unter der flirrenden Tessiner Sonne erhitzen sich die Beziehungen. Sehnsucht, Harmoniestreben, uneingestandene Ängste, Glücksversprechen und Leidenschaft sind die Antriebskräfte dieses Reigens, der sich um ein lang gehütetes Geheimnis dreht.

»Einer zu viel« ist ein Roman, so luftig-leicht wie eine Sommerbrise. Eine völlig unsentimentale Familien- und Liebesgeschichte und zugleich eine kluge Studie über das Fortwirken vergangener Ereignisse in der Gegenwart.

Die Schweizerin Angelika Waldis hat einen Kleinfamilienroman geschrieben, der auf große Gesten verzichtet. Er entwirft nicht das Panorama einer ganzen Zeit, er wirft Blitzlichter auf eine Gesellschaft, die sich in der Verlogenheit eingerichtet hat. Waldis macht das so behutsam, dass sie das Entsetzliche wie nebenbei mitteilt.

In ihrem Roman «Einer zu viel» lädt Ina ihre Familie ins Sommerhaus im Tessin ein. Alle reisen an: ihr Sohn Peter mit seiner Freundin, Judith mit ihrem Mann und den Kindern Luzi und Luna. Doch die geplanten unbeschwerten Tage verlieren sich in Heimlichkeiten und Lebenslügen.

Der neue Roman der bei Zürich lebenden Schriftstellerin Angelika Waldis ist ein kleines Meisterwerk. Raffiniert lässt sie ein komplexes Beziehungsgeflecht aus fünf verschiedenen Perspektiven erzählen. Mit ihren schönen und schlanken Sätzen zeichnet sie eindringliche Stimmungen und betörende Bilder. Schon lange hat man nicht mehr so wunderbare Beschreibungen einer Amour fou wie in diesem Roman gelesen.