Wenn ich die Augen schließe und zurückhorche, kann ich es wiederfinden, das Geräusch am Meer, das ich vor einem Monat gehört habe: den Millionenchor der Zikaden. Es sind nur die Männchen, die so betäubend schnirren, die Zikadinnen sind stumm. Sucht er sie oder sie ihn? Fänden sie sich auch ohne Geräusch? Ich stelle mir die Stadt an einem Sommertag vor, Fenster und Türen sind offen, die Menschen sitzen in den Cafés und an ihren Arbeitspulten, sie stehen vor und hinter den Verkaufstischen, sie liegen in den Parkanlagen und in den Spitalbetten – und alle Männchen schnirren, pausenlos, bis Sonnenuntergang! Was für ein gigantischer, erotischer Lärm! Die Lärmwolken über den großen Städten würden wachsen und sich ineinander verweben, und der Älpler droben auf der Hubelweid würde besorgt mit Schnirren innehalten und ins laute Land hinunter horchen, und seine Frau würde denken, was ist los, warum schnirrt er nicht?

 
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