Heute Morgen zwischen vier und fünf Uhr färbte der Erdschatten den Mond dunkelrot ein. Schön sah er aus, groß und seltsam nah trotz seiner Ferne. Vom »Blutmond« schreiben die Zeitungen. Was für ein Wort. Zu den expressionistischen Dichtern hätte es gepasst, zu Trakl, zu Loerke. Ei, wie haben sie mir gefallen, als ich zwanzig war, ihre Altäre aus Worten, auf denen sie Lust und Furcht zelebrieren. Schwere Sprachkelche, gefüllt mit Weh. Ulmen heißen nicht Ulmen, sondern Rüster, und wenn es für ein gewöhnliches Wort keinen geeigneten Ersatz gibt, wird es in blaue Schleier gewickelt oder in Scharlachglanz getunkt. Blutmond, was für ein wunderbares Wort. Zum Reimen allerdings schlecht geeignet.

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.