Aus dem Autofenster habe ich ein Bündel gesehen, einen länglichen Haufen mit einem blauen Tuch drüber. Es war ein Samstagmorgen, neun Uhr, unter dem Bündel bewegte sich was, zwei Menschenköpfe waren kurz sichtbar. In der Nacht hatte es geregnet. Die lagen da im Halbschlaf, auf einem Grasstreifen neben der Straße, wahrscheinlich wollten sie am Nachmittag an die Street Parade und konnten sich kein Zimmer leisten. Sie taten mir ein bisschen Leid in ihrem feuchten Nest. Ich fuhr zur Post und vergaß sie. Auf dem Rückweg sah ich das Bündel wieder. Da lagen sie also immer noch, das blaue Tuch bewegte sich leicht. Anscheinend hatten sie es gut, die beiden, gaben sich Wärme und wohl sonst allerlei, und der Rest der Welt war ihnen völlig egal. Aus meinem »ein bisschen Leid« wurde ein bisschen Neid.
 
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