Als ich zur Welt kam, war mein Vater 56. Er lebte noch 20 Jahre, nicht lange genug, um ihm nahe zu kommen. Seit 57 Jahren ist er tot. Sein Gesicht ist mir längst entschwunden. Seine Stimme auch. Weiß auch nicht mehr, wie sich seine Hand anfühlte. Weiß noch, wie er seine Schritte setzte, wie er das Glas hob, wie er sich über den Kopf strich. Die Entfernung nimmt zu, und die Verbundenheit nimmt ab. Ich staune, dass ich mal sein Kind war. Und da schaue ich heute in mein Handy und klicke die letzten Fotos an und halte erschrocken inne: mein Vater schaut mich an! Sein Gesicht ist wieder da, der ernste Ausdruck, der schöne Mund, nur für den Hundertstel eines Augenblicks. Dann verwandelt sich sein Gesicht zurück in das Gesicht meines Sohns, der da unter der Linde steht und über etwas nachdenkt.

 
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