Eine Moulage, das weiß ich jetzt, ist kein Muschelgericht – ich war im Zürcher Moulagenmuseum. Um 1850 begann man in der Dermatologie Moulagen anzufertigen: Von erkrankter Haut wurde ein Gipsabdruck gemacht und dieser mit einer Wachsmischung ausgegossen. Dann wurde das Wachspräparat im Beisein der kranken Person minutiös und naturgetreu bemalt. Fürchterliche Ausschläge, grässliche Wucherungen an diversen Körperteilen sind geradezu liebevoll wiedergegeben. Wie Miniaturen alter Meister hängen die Moulagen an den Wänden des Museums, die Individuen sind erkennbar, Gesichter von vorn, von der Seite, samt Lächeln, Wangengrübchen und Haaransatz. Samt Schmerz, Schalk oder Müdigkeit. Ein Wachsfigurenkabinett der besonderen Art. Wenn sie wüssten, diese Menschen, dass sie da immer noch hängen – weil sie an der Nase ein Krebsgeschwür hatten oder am Kinn syphilitische Knoten.

 

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