Rund um Tschernobyl, hab ich gelesen, kann das Totholz fast nicht zerfallen. Es gibt keine Totholzfresser mehr. Die sind wohl umgekommen im Katastrophengift. Alles zerfällt viel langsamer als anderswo. Die Laubdecke wird dicker und dicker. Jetzt fehlen dem Boden die Nährstoffe, die ihm sonst durch die Zersetzung organischen Materials zugefügt werden. Und noch was hab ich gelesen: Es gibt Leichen auf unseren Friedhöfen, die nicht verwesen wollen. Es heißt, die seien zu sehr mit Antibiotika und anderen Medikamenten angereichert. Was machen wir denn da. Die Vorstellung, dass alles Tote für ewig liegen bleibt, ist nicht schön. Wenn sich Vergangenes nicht mehr verdrängen ließe vom Kommenden – nicht nur im Totenacker oder in Katastrophenerde, sondern generell –, wäre das das Ende von Leben. Durchs Fenster blicke ich auf den Baum in Nachbars Garten. Es ist ein Efeubaum, die Esche darunter ist nicht mehr zu erkennen. Im Efeu fliegen Tauben ein und aus und bauen ein Nest. 

 
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