Erinnerungen sind trügerisch. Laut der Neurowissenschaftlerin Daniela Schiller erinnern wir uns nicht an die Originalversion, sonder an deren Überarbeitung durch das Gehirn. Mit anderen Worten: Wir erinnern uns an die letzte Erinnerung. Das leuchtet ein, nur – einen kleinen Einwand hätt ich doch. Wie ist das, wenn ich die sogenannte Originalversion nie erzählt habe und sie mir nie erzählt worden ist? Nicht im Gespräch und nicht via Bild oder Text? Hat mein Gehirn sie dann trotzdem überarbeitet und dem Großvater jetzt eine Gloriole verpasst? Der Ballonfahrt eine plötzliche Windböe? Dem Schulzimmer neuerdings einen Kamillegeruch? Dem Kuss aufs Mal eine bittere Süße? Warum sollte mein Gehirn ungefragt so etwas tun mit meinen gespeicherten Sachen, die noch nie, nie, nie ans Licht geholt worden sind?

 
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