Zur Zeit ist – anlässlich einer Ausstellung in Basel – der Maler Balthus wieder im Gespräch. Zu reden geben die porträtierten jungen Mädchen: Sie nähern sich der Adoleszenz und blicken ins Ungewisse, noch träumend oder bereits arrogant, das ist unklar. Klar ist, dass man ihnen unter das Kleid und fast zwischen die Beine sieht. Das sei eindeutig oder doch schon fast Kinderpornographie, ist auf den Feuilletonseiten lesen. Ist es nicht einfach Erotik, denke ich? Ich habe kein Recht, mich zu äußern, ich weiß von Balthus zu wenig. Ich weiß nur eines: Von Überinterpretationen wird mir ein bisschen schlecht. Das schreibt zum Beispiel eine Kritikerin über einen mit weißem Tuch bedeckten Tisch im Hintergrund der Mädchenporträts: »Ist das der Tisch, auf dem sie geopfert, missbraucht worden sind? (…) Der Stoff, aus dem Balthusʼ Bilder sind, ist das in die Gegenwart gemalte schreckensschwangere Geheimnis von Fleischwerdung und Liebesopfer.«

Nach so was brauch ich einen Waldlauf oder einen Schnaps.

 
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