Im April vor sechs Jahren hat sich der Vatikan dazu durchgerungen, den Limbus definitiv abzuschaffen. Bislang landeten ungetaufte Kinder auf ewig irgendwo zwischen Himmel und Hölle. Limbus hieß der Ort, was auf Lateinisch Saum oder Grenze bedeutet. Im Limbus wurden auch sämtliche guten Menschen gelagert, die vor Christi Geburt gelebt hatten. Ich frage mich – jetzt, wo der Limbus nicht mehr existiert –, ob die im Limbus Versorgten inzwischen ins Paradies verschoben worden sind. Ein umfangreicher Transport bei so vielen Seelen. Ein logistisches Kunststück für die Theologen in Rom. Da der Begriff Limbus jetzt nur noch in der Augenkunde eine kleine Rolle spielt – Übergang von Hornhaut in Lederhaut – , ist er wieder frei verfügbar und offeriert sich für eine neue Verwendung. Als Label für einen Drink? Als Name für das Land der Hoffnung?

 
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