»Alles, was ich sage, ist wahr, aber ich sage nicht alles, was wahr ist.« Das ist eine alte Advokatenweisheit. Oder besser: Advokatenschlauheit. Würde man sie vom Advokaten auf den Schriftsteller übertragen, könnte sie heißen: »Alles, was ich schreibe, muss nicht wahr sein, aber alles, was ich nicht schreibe, muss wahr sein.« Alles, was ich nicht schreibe, ist meine geheime Höhle, und darin darf ich nicht schummeln und flunkern und Geschichten erfinden, sondern muss meine eigene Wahrheit aushalten. Muss meine eigenen Fehler und Traurigkeiten und Missgeschicke vor mir offenlegen - und ebenso die meiner Liebsten und Nächsten. Alles, was ich nicht schreibe, muss wahr sein, ich darf mich nicht selbst betrügen. Denn wäre ich eine Selbstbetrügerin, würden meine erfundenen Geschichten unglaubhaft.

 
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