Kürzlich hat uns ein Freund eingeladen. Dass er krank war, wussten wir. Wie krank, das wussten wir, als wir ihn sahen. Abgemagert, eingefallen, nur noch die Hälfte von einst. Seine Töchter machten ein Feuer im Kamin, brachten Gebäck und einen wunderbaren alten Wein aus dem Keller, dann ließen sie uns allein. Nach ein bisschen Geplauder kam unser Freund zur Sache. Sein Arzt habe gestern erklärt, da sei nichts mehr zu machen. Zwei drei Monate noch. Jetzt warte er einfach, sagt unser Freund. Es sei ein seltsamer Zustand. Aber weh tue nichts. Wir stießen an, »auf dich«, sagten wir. Sollten doch noch wilde Schmerzen kommen, sagte unser Freund, dann werde er die Sterbehilfe rufen, das sei so organisiert. Er schnupperte am Glas mit dem wunderbaren Wein und sagte: »Ich hoffe bloß, dass der letzte Trank nicht Zapfen hat.« Wir werden seine Späße vermissen. Die letzte Umarmung dann, die war deutlich die letzte.

 
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