Sitze frühmorgens am Busbahnhof Zürich und schaue mich um. Nehme an, die Busse, die wegfahren, sind nicht alle voll. Könnte also im letzten Moment einsteigen und mich gepäcklos ins Ungewisse chauffieren lassen. Weiß nicht, was mich in Odessa erwarten würde. Puschkin war da mal im Exil, weil er gegen die Leibeigenschaft anschrieb. Es gibt ein Schwarzes Meer und eine Promenade. Die knapp 48 Stunden Fahrt kosten rund 130 Franken, so viel wie hier ein Paar Turnschuhe. Könnte auch eine Haltestelle vor Odessa aussteigen, in Galati, Rumänien. Könnte da einen Straßenhund adoptieren und mit ihm in elf Stunden nach Moldawien wandern. Könnte mir dort ein Paar Turnschuhe für 20 Franken kaufen. Könnte so vieles. Muss und will aber nicht. Andere müssen und wollen. Stelle mir vor, die traurige Frau fahre zu einem Begräbnis, der hustende Rentner besuche zu spät seine Enkel, die junge Hübsche mache unbezahlte Ferienpause im Sexsalon. Einsteigen bitte, das Leben fährt ab.

 

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