Wieder mal im Zug nach Luzern, wieder mal am Rotsee vorbei, diesmal schimmert er tiefdunkel unter einem Nebelschleier, die Uferbäume liegen zur Hälfte im Wasser, schwarz, kahl, und flugs geistert die Dichterin Droste-Hülshoff herbei, mit ihren Versen vom Knaben im Moor: O schaurig ist’s übers Moor zu gehn / wenn es wimmelt vom Heiderauche / sich wie Phantome die Dünste drehn / und die Ranke häkelt am Strauche … Die Reisende neben mir studiert in der Gratiszeitung die Angebote des Tages, Rollschinken, Frühtulpen, Herrensocken, und knabbert an einem Daumennagel. Als ich ein Kind war, ging die Familie hier auf den Sonntagsausflug. Zuerst mit dem Fährmann über den See, ihm fehlte eine Hand, er hielt das Ruder mit einem eisernen Haken, dann vorbei am Frauengefängnis, eine weiße Flagge auf dem Dach bedeutete, dass gerade niemand eingesperrt war, dann weiter über die sanften Hügel und durch die Obstbaumwiesen

 
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