Eine Freundin aus Kindertagen hat einen indischen Maharadscha geheiratet. Eine Märchenprinzessin ist sie deswegen nicht geworden. Zu vieles lief anders, als sie sich das vorgestellt hatte. Immer noch hat sie das schöne, freundliche Gesicht, nur runder. Die glatten, hellen Haare, nur grauer. Die schmalen, langen Finger, nur steifer. Sie hat sich eine andere Weltanschauung zugelegt, einen anderen Erdteil zur Heimat genommen, eine andere Sprache angeeignet. Wir haben uns unmessbare Weiten voneinander entfernt. Aber wenn ich sie, ganz selten, wieder mal treffe, schaut mich nach kurzem Befremden ihr früheres Mädchengesicht an. Und es ist, als gingen wir zusammen von der Badeanstalt – so hieß das damals – nach Hause, mit feuchtem Haar und einem Vanille-Eis in den kühlen Händen. Ich weiß wieder, wie sie mich bis vor die Gartentür begleitete, und wie es mich störte, dass sie immer noch an ihrem Eis schleckte, während ich meins schon längst gierig vertilgt hatte.

 

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