Staunen beim Zeitunglesen. Die Rektorin einer katholischen theologischen Hochschule äußert sich über Homosexuelle. Sie sagt: »Sieht sie – die Kirche – ein, dass Menschen so veranlagt sind, muss sie sich fragen: Hat Gott sich da verschöpft?« Ups. Dass Gott sich verschöpft haben könnte, das habe ich von Gläubigen noch nie gehört. Ich war immer der Annahme, dass sich die Menschen einen allwissenden, allmächtigen, unfehlbaren Gott geschaffen haben. Mit einem Gott, der sich verschöpft haben könnte, wären nun plötzlich alle Kriege, Grausamkeiten, Qualen und Leiden erklärt, vom Atompilz über Hiroshima bis zum Fortpflanzungskreislauf des parasitären Leberegels und seinen gequälten Wirtstieren. Aber mögen dann die Gläubigen einen Gott, der so ins Wanken kommt, weiterhin verehren? Zu einem sich verschöpft habenden Gott passt das alte Allmachtsparadoxon: Kann ein allmächtiges Wesen so einen schweren Stein erschaffen, dass es ihn nicht selbst hochheben kann? 

 
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