Das Haus in dem ich aufgewachsen bin, hieß Villa Friedheim. So stand es auf einer kleinen Messingtafel beim Gartentor. Der Name passte nicht, in der Villa Friedheim war über die Jahrzehnte sehr viel Streit. Vielleicht finde ich es darum seltsam, dass man Gebäude tauft und anschreibt. In städtischen Gefilden gibt es das seltener oder nicht mehr, aber auf unserer Wanderung kürzlich am Vierwaldstättersee habe ich sehr viele getaufte Häuser gesehen: Haus Beatus, Anemone, Enzian, Heimetli, Seestern, Aurora, Sunneschy ... Statt dass mir warm ums Herz wurde, fror ich ein bisschen. Unsere freundliche alte Nachbarin  mit dem Garten voller Riesenkerbel kam mir in den Sinn. Ihr hatte man eine Freude machen wollen und bei Nacht und Nebel die schmiedeiserne Inschrift »Kerbelparadies« an ihre Hauswand appliziert. Sie fand das scheußlich, aber ließ es aus Höflichkeit stehen – und starb im Kerbelparadies.

 

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