Vor kurzem war es noch so, dass man beim Warten im Bahnhof Stettbach auf Kunst von Gottfried Honegger blickte. Wandreliefs aus emaillierten, dreieckigen Metallplatten in Beinahgrün, Altgelb, Dumpfdunkelrot… Kunst hat Funktion, gilt für die Konkreten, und so sind Reliefs Pfeile, stadteinwärts hinter dem einen Gleis, stadtauswärts hinter dem anderen. Wer den Anblick nicht mag, kann sich nicht einfach umdrehen, er sieht auf der anderen Seite dasselbe. Die unterirdische zugige Haltestelle ist öde, und das Werk des berühmten Künstlers machte sie noch öder, gab ihr die Ausstrahlung einer Abdankungshalle. Soweit mein Geständnis: Ich bin ein Kunstbanause. Aber es kommt noch schlimmer: Auf des Künstlers Tafeln sind nun Graffitis, diese unlesbaren Buchstabenwülste, und – Schande – das ärgert mich nicht, sondern freut mich. Nachts zwischen ein und fünf Uhr müssen sie wie wild gearbeitet haben, die üblen Sprayer, und sie haben’s gut gemacht: farbsicher, konsequent, schon fast mit Stil.

 

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