Wenn ich nachts wachliege, fällt mir so viel ein, was ich müsste, könnte, möchte, sollte, und morgens streife ich mir den Schlaf vom Gesicht, stolpere in die Küche, und alles, was mir einfällt, sind die Kaffeemaschine und die Pillenbox und meine Latschen, die ich bräuchte, um draußen vom Briefkasten die Zeitung zu holen. Ich habe nachts ein bisschen Mörike aufgesagt und an die schönen glänzenden Haare der Enkelmännchen gedacht und an die insgesamt drei Schneeglöckchen unter der Linde und daran, dass mir gestern ein Stück Text gelungen ist und daran, dass ich mal nach Schottland fahren möchte, habe auch erfreut gemerkt, dass mein Daumen plötzlich nicht mehr schmerzt und bin ganz fröhlich in den Schlaf gekrochen. Und morgens streife ich mir denselben vom Gesicht, sehe im Spiegel meinen verkniffenen Mund, auf der Treppe den Dreck, auf der Wiese das alte Laub, auf  dem Tisch das ganze Nichterledigte, und unter dem Sofa schaut der fette gelbgrüne Schwanz der Unzufriedenheit hervor. Noch barfuß stampfe ich heftig auf seine Spitze, und er verschwindet umgehend. Komm, Tag.

 
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