Einen ganzen Tag brauchte ich – mit Schere, Leiter und viel Körperverrenkung – für die Operation Granatapfelbaum. Der war mit einer so dichten Geißblattdecke überwachsen, dass man von ihm kaum noch was sah. Geißblatt ist eigentlich ganz schön, die Blüten duften sogar, sowohl Bienen wie Nachfalter mögen es. Ich, Mensch, mag es nicht. Ich will den Granatapfel, er macht unseren Tessiner Garten leicht exotisch. Also schnitt, zerrte, rupfte, riss ich verbissen die robusten Geißblattstränge weg, und langsam kam der fast erstickte Baum wieder ans Licht, »punica granatum«, rotbraune Rinde und glänzendes Laub. Es war, als zeige jemand nach Wochen wilden Wahns wieder den wahren Charakter. Hallo Granatapfel, sagte ich, jetzt mach auch endlich mal ein paar Früchte. Hallo Mensch, sagte er, jetzt lass mich endlich mal in Ruhe.

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.