Gestern habe ich im Kino geweint über eine Mutter und ihren Sohn. Seltsam, dass solches Weinen geht, denn die Mutter war nicht meine Mutter und der Sohn nicht mein Sohn, und dann waren sie erst noch nicht echt, sondern gespielt und trotzdem fingen meine Tränendrüsen wie wild zu arbeiten an und mir wurde ganz eng im Hals. Man kann also erfindend Tränen fabrizieren bei irgendjemandem, und diese Einsicht gibt mir als Autorin ein ziemliches Machtgefühl, ich weiß nicht, ob das ein gutes Gefühl ist. Seltsamerweise ist es sehr viel schwieriger, erfindend bei irgendjemandem ein Gelächter auszulösen. Der Film, in dem ich weinend saß, heißt übrigens »Quelques heures en Printemps«, und der Tränenfabrikant heißt Stephane Brizé.

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.