Manchmal freu ich mich, wenn ich etwas vergessen habe. Wie hieß der noch? Wo war das schon wieder? Brauch ich das zu wissen? Nein. Und zum Glück fällt es mir nicht mehr ein. Mit dem fortlaufenden Vergessen schaffe ich in meinem Gedächtnis fortlaufend Platz für Neues. Ich habe gelesen, dass ich rund 2.5 Mio. Gigabyte an Daten speichern kann, was etwa der Datenmenge von 300 Jahren Nonstop-Fernsehen entspricht – interessant, aber egal, wenn ich es wieder vergesse. Vergessen können ist eine wunderbare Fähigkeit. Dem berühmten Gedächtniskünstler Solomon Schereschewski fehlte sie. Er wurde von den Details seiner Erinnerungen überschwemmt. Wollte er unbedingt etwas vergessen, schrieb er es auf einen Zettel, um es so zu entsorgen. Doch das gelang ihm nur selten. Auch das Verbrennen des Zettels war erfolglos. Er bekam sein Leben übrigens nicht in den Griff und starb als Alkoholiker. Ich schreibe auf Zettel, was ich unbedingt nicht vergessen will. Überall liegen meine Zettel, wie Herbstlaub.

 
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