Der Begriff Anstand kommt aus der Mode, weil er nicht mehr klar definiert ist. Früher wusste man: Sauce auftunken oder das Wort Scheiße sagen, war unanständig. Heute darf man sowohl lustvoll auftunken sowie preisgekrönte Literatur voller Scheiße-Wörter lesen. Früher ging man nicht in verlöcherten Hosen ins Büro. Heute deckt man sich in teuren Läden mit Hosenlöchern ein. Was ist denn nun Anstand? Anstand heißt ja wohl: man steht an, weil da eine Grenze ist. Bis hierher und nicht weiter, sonst bist du unanständig und verdienst Verachtung oder gar eine Strafe. Bist ein Prolo oder ein Sauhund oder ein Halsabschneider. Setz dich endlich anständig hin, sagte eine Frau im Bus zu ihrem kleinen Jungen. Er wusste nicht, was sie eigentlich wollte. Ich auch nicht. Ich würde das altmodische Wort lieber aufsparen für Wesentliches. Zum Beispiel für Konzerne, die sich via Tochterfirmen in armen Ländern unanständig bereichern. Oder nennt man das kriminell? Und: Darf man eigentlich Sauhund sagen?

 

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