Immer mehr Hemmung, etwas Kontemporäres zu lesen, immer größer die Befürchtung, ich könnte verunsichert werden: ach so machen der und die das, ach so muss es klingen, damit es einfährt, ach so muss die Wahrheit lauten, damit man sie glaubt. Ich vermute, dass ich nun mein Tempo gefunden habe und mich nicht aus dem Schritt bringen lassen will. Dass ich nun meine Palette bereinigt und die Farben gefunden habe, die mir gefallen. Und das will ich mir bewahren, so gut es geht. Also lese ich am liebsten Texte aus völlig anderen Federn. Fontane zum Beispiel: ein Mann, ein alter Mann, ein anderes Jahrhundert, ein anderer Zeitgeist, eine andere Sprache. Nein, die übernehme ich bestimmt nicht! In seinen Sätzen kann ich mich genussvoll lümmeln und tümmeln, kann ihn bewundern, den alten Mann, wie schön schildert er einen Sommerabend, wie wendig schlüpft er ins Wesen einer Frau, Mathilde Möhring etwa, wie hofft und schuftet und leidet er mit.

 

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