Der junge rote Holunder durfte an seinem Geburtsort nicht bleiben, er war der Gartengestaltung im Weg und sollte umgepflanzt werden. Seinen alten Platz verdankte er wohl einem Vogel, der da ein bisschen Holunderbeerenkacke hatte fallen lassen. Ungestört wuchs er auf, wurde zwei Meter hoch. Dann kam ein Spaten, stach rund um die Holunderfüße tief in die Erde, Menschenhände rissen am Stamm und holten die Füße ans Licht. Von der großen Pfahlwurzel fehlte ein Stück. Jetzt steht das Bäumchen an anderer Stelle und soll sich akklimatisieren, integrieren, mit der neuen Erde vertraut machen und die Sprache der benachbarten Sträucher verstehen lernen – soll all das tun, was man von Fremdlingen in neuem Territorium erwartet. Und bitte subito. Wasser ist zwar zugesichert. Wenn das Holunderchen aber die Blätter hängen oder gar fallen lässt, hat es bei der Umsiedlungsbehörde schlechte Chancen. Dann heißt es definitiv: raus.

 
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