Ein Buch ist mir in die Hände geraten, das ich vor dreißig Jahren gelesen habe – Peter Noll: »Diktate über Sterben und Tod.« Noll, 56, hatte nach einer Krebsdiagnose beschlossen, auf Therapien zu verzichten. Er nutzte die zehn Monate, die ihm blieben, zum Nachdenken. Was war? Was kommt? Klar und gescheit sind die Gedanken, immer noch gültig. Breschnew und Thatcher muss ich ersetzen durch Putin und Cameron. Irak durch Syrien, die Zürcher Unruhen vielleicht durch Occupy Wall Street. Aber an den Zitaten von Rilke, Seneca oder Montaigne ist nichts zu ändern, und Buchfink, Kuckuck und Singdrossel hören sich noch gleich an. Für mich ist das Buch aktueller denn je, weil ich dem Tod so viel näher bin als vor dreißig Jahren. Aber das Lesen einer wundersamen Liebesgeschichte macht mir immer noch deutlich mehr Herzklopfen …

 

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