Selten gehe ich ins Konzert, aber für »Ein Deutsches Requiem« von Brahms am heutigen Karfreitag habe ich mir ein Ticket gekauft, Empore, erste Reihe Mitte, im Großmünster. Ich blicke hinunter auf 137 Singende und 46 Spielende und 1 Dirigierenden. »Selig sind, die da Leid tragen« – so fängt das Requiem an. Der Mann an der Pauke ist noch nicht dran. Von oben sieht es aus, als habe er sich in tiefer Trauer über einen seiner drei Kessel geworfen, aber er klopft nur mit sanften Fingerspitzen aufs Fell und hält prüfend sein Ohr darauf. Immer wieder tut er das, durchs ganze Konzert hindurch, wirkt wie ein Vater, der ans Kinderbettchen rennt, um nachzusehen, ob darin noch geatmet wird. Und ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn sich alle Musiker in ihren Pausen auf die Instrumente würfen und in sie hineinhorchten. Wenn die Sänger sich gegenseitig die Rücken abklopften. Wenn die Konzertmeisterin dem Dirigenten zwischen den Sätzen an den Kopf griffe, um dessen Verankerung zu prüfen …

 

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