Ich neugiere, du neugierst … das Verb gibt es nicht, aber trotzdem tu ich’s dauernd. Im Spitalzimmer, wo ich meine Schwester besuche, neugiere ich hinüber zur Frau im Nachbarbett. Sie liest in einem Heft und seufzt, und ich finde heraus, dass sie in den unteren Regionen faules Fleisch hatte, wie sie sagt, und danach eine Infektion, und dass man sie nach sechs Wochen immer noch nicht nach Hause lässt. Ich neugiere weiter, als die Frau ihren großen Umfang in einen Morgenmantel wickelt und das Zimmer verlässt. Das Heft liegt aufgeschlagen auf ihrem Bett und heißt »Arztroman Klassiker«. Ich neugiere und lese hastig einen Satz. »Stefanie setzte sich in ein Café und überlegte angestrengt, wie sie Jan versöhnen könnte.« Ich lese noch das Namensschildchen über dem Bett, die traurige Frau heißt überaus lustig, und plötzlich ist meine Neugier im Eimer. In einem lindengrünen Spitaleimer mit Fußbedienung.

 

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