Drei Stunden lang saßen wir in absoluter Schwärze, im Restaurant »Blinde Kuh«. Jegliches Licht war verboten, Uhren mit Leuchtziffern hatte man vorher abzulegen. Blinde Menschen führten uns an den Tisch, berieten und bedienten uns. Weil wir sicher waren, irgendwann wieder hinaus ans Licht zu gelangen, war es vergnüglich. Ob man gierig fraß oder lustlos stocherte, ob man sich vollkleckerte oder die Finger abschleckte, ob man gähnte oder die Ohren zuhielt oder ein falsches Lächeln aufsetzte – niemand sah’s. Laut und lustig ging’s zu. Es war der Geburtstag des 15jährigen Enkels, wir suchten in der Schwärze über dem Tisch nach seinem Glas, um anzustoßen. Was ich ihm wünschte: Licht. Licht bei allem, was ihm gelingen sollte. Hab’s ihm aber nur stumm gewünscht. Er mag es nicht pathetisch.

 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok