Ein Jugendbuch von 1937, grüner Leinenumschlag, auf der ersten Seite der Name meiner Schwester, Schönschrift, Tinte, Hilfslinien mit Bleistift. Auf der letzten Seite ein Eintrag meiner Tochter, gut dreißig Jahre später. »Empfehlbar« Sie hat als Kind eine Zeitlang Bibliothekarin gespielt und unsere Bücher entsprechend beschriftet. War wohl nicht sonderlich begeistert von dem grünen Buch. Es heißt »Pedronis muss geholfen werden«. Ich kann mich an die Geschichte erinnern, sie war einigermaßen aufregend, traurig und von deutlicher Moral. Geschrieben hat sie Oskar Seidlin, geboren als Oskar Koplowitz in Oberschlesien, 1933 in die Schweiz und später nach USA emigriert, Literaturwissenschaftler. Er lebt nicht mehr, und sein grünes Jugendbuch ist vergessen. Zwar habe ich es kürzlich meiner Schwester überreicht, und sie sagte überrascht: »Oh, da schau ich gern wieder mal rein.« Nach ihrem Reinschauen wird das Leben des Buchs dann wohl definitiv zu Ende sein. Ja, auch Bücher sterben.

 
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok