Frühmorgens liege ich im Bett, die Türe öffnet sich einen Spalt, der Enkel steckt den Kopf rein. »Was machst du? Denken?«, sagt er. »Ja«, sag ich. »Willst du auch?« Er legt sich neben mich und dann denken wir angestrengt nebeneinander her. Nach etwa fünf Minuten ist er fertig, federt mit einem vollendeten Luftsprung vom Bett und verschwindet. Ich bleibe liegen und statt selber zu denken, lasse ich denken, das ist gut eingespielt. Die alten Denk-Lakaien kommen umgehend und bringen Tabletts voller Gedanken, wickeln sie aus oder packen sie ein oder stapeln sie aufeinander oder werfen sie aus dem Fenster oder verknüpfen sie zu neuen Mustern oder zerkrümeln sie und streuen sie mir übers Haupt. Ich brauche gar nichts zu tun. Schön ist das, es denkt einfach. Bis irgendwo im Haus Wasser rauscht und ich wieder selber denken muss: O je, wir haben die Spülung noch nicht geflickt, und den Briefkastenschlüssel müssen wir auch noch suchen.

 
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