Ich hab mal einen Juli gekannt. Julius hieß er wohl. Wir waren im selben Ferienlager. Er hatte Sommersprossen und rötliches Haar, so Buben gab’s später in Kinderbüchern, die sich um Lustigkeit bemühten. Der Juli war nicht lustig. Er war der schnellste an den senkrechten Kletterstangen. Er ging auf Stelzen rückwärts die Treppe runter. Er lief ins Freie, wenn’s gewitterte. Die Kapuze der schwarzen Pelerine zog er nie über den Kopf, auch wenn der Regen schnurdick fiel, dort hinterm Pilatus. Er tat alles mit ernstem Gesicht. Dass ich im Juli an Juli denke, ist Zufall. Schon lange hab ich nicht mehr an sein ernstes Gesicht gedacht. Ich weiß nicht, warum ich plötzlich wissen möchte, ob der Juli auch mit ernstem Gesicht einen Schulabschluss feierte, eine Frau verführte, ein Kind zeugte, einen Pokal entgegennahm oder einen jungen Hund begrüßte. Oder ob er es fertigbrachte, ohne zu lachen alt zu werden. 

 

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