Kein sonderlich schöner Bau, das Hotel Waldhaus in Sils Maria. Seit 1908 thront es auf seinem Hügel mit Zinnen, Türmchen, Erkern. Fast würde man es naserümpfend links liegen lassen, wüsste man nicht, welche Geistesgrößen da mal abgestiegen sind, um auf Nietzsches jahrzehntealten Spuren zu wandeln: Mann, Hesse, Einstein, Jung, Adorno, Benn, Kästner … Also nichts wie rein in die vornehme Höhle, wo Kultur fast von den Wänden trieft. Diskret spielen Musiker zum Afternoon Tea auf, lautlos bringen Kellner Kännchen und Kelche, gedämpft wabern Gespräche über die Tische, sanft schimmert Waldesgrün durch die hohen Fenster. Und dann steht dort draußen plötzlich ein Reh, rupft Gras, schaut nicht mal rein. Wir und die ganze gebildete, feinsinnig plaudernde Horde sind ihm egal. So ein Reh taucht auch auf in Kästners Gedicht »Vornehme Leute«: Sie haben ihren Smoking an / Im Walde klirrt der Frost. / Ein kleines Reh hüpft durch den Tann. / Sie haben ihren Smoking an / und lauern auf die Post.

 

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