Der Autorenverband hat dazu aufgerufen, den vielen in der Türkei inhaftierten Journalisten Postkarten zu schreiben. Deren Namen und Gefängnisadressen lagen dem Aufruf bei. Gute Idee. Ich zeige meine Postkarte dem Kurden, dem ich wöchentlich eine Deutschstunde gebe, und er schreibt noch einen Gruß auf Kurdisch auf die Karte. Auch gute Idee. Bevor ich die Karte wegschicke, fällt mir plötzlich ein, dass ich eigentlich wissen sollte, was darauf geschrieben steht. Ich google. »Slau« ist das erste Wort des Kurden. »Schlachten / schinden / morden« übersetzt Google aus arabisch geschriebenem Südkurdisch. Ich bin entsetzt. Wenn auf meiner Karte nun so etwas steht wie »Schlachtet den Präsidenten«? Hastig suchte ich weiter und finde nichts Besseres. Bis mir einfällt, dass mein freundlicher Kurde vielleicht nicht so schön geschrieben hat. Statt nach »slau« suche ich also nach »slav«. Und siehe da: »Gott zum Gruße!« heißt das, und der Rest des kurdischen Satzes handelt von Respekt.

 
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