Neulich fuhr ich mit dem Zug von Zürich nach Frankfurt. Auf der anderen Seite des Gangs saßen ein Vater und sein Sohn. Der Sohn war noch kurz: unter einem Meter, der Name auch: Karl. Der Vater hatte Essen, Trinken, Spielzeug, Bilderbücher dabei. Karl nahm einen Schluck und greinte. Ass einen Bissen und greinte. Sah sich zwei Buchseiten an und greinte. Das Spielzeug warf er unter den Sitz. Karl hatte diesen hohen weinerlichen Ton und sein Vater diesen hastigen beschwichtigenden Sound. Kurz vor Basel flippte der Vater aus und schrie : »Gopfertoori, was willst du dann.« Karl war todmüde und hätte Schlaf gewollt. Nun krochen Vater und Sohn durch den Gang und spielten »Böses Krokodil fängt Kind.« Die Passagiere schauten in ihre Zeitungen und Laptops. Karl schrie. Er war total erschöpft. Ich hätte ihn gern ein bisschen rumgetragen, stellte mir vor, wie seine Augendeckelchen schlapp würden. Der Vater wär zum Rumtragen zu schwer gewesen. Nach Karlsruhe gab Karl Ruhe.

 
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