Gestern fuhr ich in der Stadt. Als ich in den Bus einsteigen wollte, fiel mir ein, dass ich mein Handy nicht mit dabeihatte. Ich erschrak richtig. Es muss wohl so ein ähnliches Gefühl sein, wenn ein Einbeiniger sein Ersatzbein nicht mit dabei hat. Dann erschrak ich gleich noch einmal über meinen Schreck. Denn der bedeutete wohl, dass ich abhängig war! Süchtig! Nicht ohne mein Handy in die Stadt fahren konnte! Ich, eine – wie ich meinte – einigermaßen souveräne Alte. Nun, ich stieg dann trotzdem in den Bus. Was sollte ich jetzt. Hatte nichts zu lesen, nichts zu surfen. Also fing ich an, Handys zu zählen. Bis zur Haltestelle Rennweg waren es fünfundvierzig. Dort gab ich auf. Denn die Handys waren überall. Die Leute trugen sie so sorgsam in der Hand wie eingefangene Vögel. Hielten sie ans Ohr, um zu lauschen, ob die Vögel noch atmeten. Ich beschloss, auf dem Nachhauseweg etwas anderes zu zählen, Kleinkinder oder Hunde, das gab weniger zu tun. Aber ich zählte dann überhaupt nichts mehr, sondern sah aus dem Fenster, sah, wie die abendliche Stadt vorbeiglitt, und fand’s schön.

 
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