Mohamed zieht ein Handy aus der Hosentasche. »The boat« will er mir zeigen. Er ist sechzehn, seit ein paar Monaten in der Schweiz und gehört zu den elf Somaliern, denen ich versuche, Deutsch beizubringen. Da: ein wackliger Film, ein Gummiboot in den Wellen, schwankend. Die Menschenladung kreischt. Etwa neunzig waren sie, von Libyen aus Richtung Sizilien, eine Frau war schwanger. »Jetzt Kind«. Ein italienisches Schiff hat sie alle an Bord genommen. Von dessen Reling aus hat Mohamed später noch ein anderes Gummiboot gefilmt, so eines wie seines, mit ebenso vielen Menschen. Man sieht, wie es kentert. Die grauen Punkte im Wasser sind Menschen. Sie gehen unter. »Alles tot«, sagt Mohamed. Und jetzt muss er ein Diktat schreiben: »Mein Freund hat ein rotes Auto. Er lebt in Zürich. Wir spielen gerne Fußball…« Ball mit zwei L, Mohamed!

 
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