Ein Freund hat uns eine Broschüre zugeschickt, in der er das Leben seiner Ururgroßmutter beschreibt, samt angefügter Ahnentafel. Erst denke ich, was geht mich das an. Dann lese ich mich mit wachsender Neugier in das fremde Schicksal hinein. Faszinierend ist es allemal, was jemand aus der Tatsache seiner Existenz gemacht hat. Manche Romanautoren wären arbeitslos, wenn ihnen solche Stoffe fehlten. Und doch, eigentlich nervt mich die Vorzeigerei der Vorfahren. Hier ein Missionar, da ein Hugenotte, dort ein Gouvernante … Was soll ich mit Stammbäumen? Lieber schaue ich mir lebendige Gesichter an, hier und jetzt. Ein Windchen hat uns hergeweht – da sind wir nun –, und ein Windchen wird uns wegwehen, auch wenn wir uns an eine Ahnentafel klammern. 

 
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