Der Regionalzug hielt, ich sah nicht, wie die Station hieß. Nur wenige Leute stiegen aus und ein. Im vorderen Teil des Waggons weinte jemand herzzerbrechend. Eine Frau. Schluchzte, wimmerte, schrie. So schmerzerfüllt, als hätte man ihr für immer ihr Kind von der Brust gerissen. Auf dem Sitz hinter mir sagte eine Männerstimme trocken: »Da weint jemand.« Das Weinen war furchtbar. Tut man da was oder tut man nichts, fragte ich mich. Mir gegenüber saß eine junge Muslimin mit Kopftuch. Sie stand kurz entschlossen auf und begab sich Richtung Elend. Als sie wieder kam, fragte ich, ob man helfen könne. Sie schüttelte den Kopf. Die weinende Frau schluchze ins Handy, deutete sie an. »Problem anderes ist«, sagte sie in gebrochenem Deutsch. Sie hatte getan, was ich hätte tun sollen. Ich hätte ihr etwas Anerkennendes sagen müssen. Aber nicht mal das tat ich. Das wilde Schluchzen dauerte noch an bis zur nächsten Station. Die hieß Wiesendangen.

 
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