Seit den Neunzigern bin ich ein anderer Mensch. Damals hat sich in mir – vermutlich in der Hypophysenloge an der Schädelbasis – ein neues Organ entwickelt: die Interphyse. Sie ist inzwischen voll ausgewachsen und ein zentrales Steuerorgan geworden, das mich ans Internet koppelt. Das heißt: Ich kann nicht mehr ohne Internet. Wird die Internet- Konzentration im Blut unterschritten, schüttet die Interphyse sofort W-W-W-Signale aus, und ich setze mich umgehend an den Computer, um mich neu zu regulieren. Das funktioniert bestens. Manchmal allerdings überfallen mich Ängste, wenn ich mir die Abgründe des Webs vorzustellen versuche, dieses unermessliche und heimtückische Netz, in dem jeder Pixel für immer hängen bleibt. Und doch lasse ich in ein paar Tagen meine frisch erstellte Website in das dunkle Universum fliegen. Die Interphyse ist schuld. 

 
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