Ich schaue mir am Bildschirm die Klassenfotos meines wunderschönen Enkels an. Jedes Kind kann ich einzeln anklicken. Knaben, Mädchen, so um die elf Jahre alt. Sie lachen, lächeln in die Kamera. Wenige sind ernst. Den meisten sieht man an, wie sie später mal aussehen. Oberschwester, Motorradmechaniker, Coiffeuse und Verwaltungsratspräsident sind bereits zu erahnen. In sechs, sieben Jahren werden sie sich mit dem auseinandersetzen, was den bedrohlichen Namen Geschlechtsverkehr hat. Werden mit Hass, Liebe, Neid, Eifersucht, Missgunst und allem, was Shakespeare schon thematisiert hat, in Berührung kommen. Werden übergangen oder gemobbt oder verachtet, werden erleben, dass aus dem Hinterhalt der Tod auftaucht. Diese blondgezopften und dunkelgelockten und großäugigen und rotbackigen Kinder. Man müsste ihnen ein Mindestgewicht Glück garantieren können. Ach Kinder. Was für eine Schmach. Das Leben ist schuld. Und mein Enkel ist von allen der schönste.

 
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