Seit Jahrzehnten stand er da, der große Feigenbaum beim Ferienhaus, trug immer Frucht, grün und süß. Vor zwei Sommern begann er zu sterben, die Blätter wurden spärlich, die Äste trocken, und im letzten Frühjahr blieb er kahl. Nun haben wir ihn umgesägt, zerlegt und als Holzstoß wieder aufgebaut. Während der Arbeit dachte ich ein bisschen ans Leben und Sterben, aber hauptsächlich an sehr prosaisches Kleinzeug wie zerrissene Gartenhandschuhe, einen schmerzenden Daumen oder Geschirr von gestern, das noch abzuwaschen war. Der Feigenbaum hätte tiefgründigere Gedanken verdient. Seine Befruchtungsstrategie via Feigengallwespe ist eine Erfindung, die so herrlich kompliziert ist, dass ich sie auch nach mehrfachem Nachlesen nie ganz richtig verstanden habe. Abends gab es dann ein Kaminfeuer mit Feigenreisig, und dessen Duft war wie eine letzte Gabe.

 
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