Heute stand ich im Garten und hörte einen Summton. Fein und hoch und stetig. Aus dem Haus kam er nicht. Auch nicht aus der Ferne. Aus mir vielleicht, rauschte etwa mein Blut? Ich tat ein paar Schritte, da wurde er leiser. Ich hörte auf zu atmen, der Summton blieb, als sei er der Summton der Welt. Es war ein stiller, schöner Tag, ein Himmel ohne Jet. Nichts bewegte sich außer zwei Pünktchen in Richtung große Linde. Ihnen ging ich nach, stellte mich unter den Baum und lauschte. Hier war der Summton voll aufgedreht, und jetzt wusste ich auch, woher er kam – von den Bienen an den Lindenblüten. Sie waren in der dichten Krone kaum zu sehen. Ich habe mal bedauert, dass unsere Lindenblüten nicht duften. Und finde jetzt: sie zu hören ist noch viel wundersamer als sie zu riechen. Auch wenn die Bienen längst weg sind, wird mir dieser Summton des Lebens bleiben. 

 
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