Morgen fahre ich ins Tessin an eine Abschiedsfeier. Ein Mann hat sich umgebracht. Er hat einen Text hinterlassen, der an der Feier vorgelesen werden soll. Und er hat einen Schock hinterlassen bei denen, die ihn liebten, die ihn mochten. Er muss gewusst haben, dass man ihm diesen Schock schwer verzeiht, aber es blieb ihm wohl keine andere Wahl. Ich habe ihn nicht so gut gekannt, dass ich trauern müsste. Es gab ein paar gute Gespräche, ein paar fröhliche Tafelrunden, ein paar Familienbilder. Auch wenn wir uns einige Mal umarmt hatten, kannte ich ihn eigentlich nur von weitem. Er war ein schöner, freundlicher, gescheiter Mensch. Gesund, soviel ich weiß. Als er sich erschoss, war er fünfundachtzig Jahre alt. Wunsch: Dieser Todesschatten lege sich nicht für immer auf der Erinnerung nieder.

 

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